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Zoomer (Teil 2): Radikale Ehrlichkeit und neue Prioritäten – Stärken und Hürden der Gen Z

Autorenbild: Franz Wegener
Franz Wegener
16. Sept.
3 Min. Lesezeit

Nachdem wir im ersten Teil auf die von Dauerkrisen und digitaler Dauerpräsenz geprägte Jugend meines Sohnes geblickt haben, möchte ich mich heute den besonderen Qualitäten widmen, die seine Generation im Kern auszeichnen. Ich finde, in den öffentlichen Debatten wird die Generation Z keineswegs immer fair behandelt. Oft ist pauschal von einer „arbeitsunwilligen“ oder „überempfindlichen“ Jugend die Rede. Solche Klischees verfehlen die Realität jedoch nach meinen Erfahrungen völlig.


Als Ökonom fasziniert mich, wie sachlich und pragmatisch die Gen Z auf die ökonomischen und gesellschaftlichen Verschiebungen unserer Zeit antwortet; als Vater sehe ich täglich ihren beeindruckenden Mut zu neuen Wegen, aber auch die spezifischen Hürden, an denen sich junge Menschen heute reiben. Ich schreibe hier ausdrücklich als Vater, nicht als Sozialforscher – meine Beobachtungen speisen sich aus einem Sohn und seinem Umfeld, nicht aus einer repräsentativen Studie.

Die Stärken: Warum die Gen Z unsere Arbeits- und Lebenswelt bereichert

Die Generation meines Sohnes hat aus den Unsicherheiten ihrer Jugend eine ganz eigene Stärke entwickelt. Sie gibt sich selten mit verkrusteten Antworten zufrieden und fordert Transparenz ein.

Besonders folgende Qualitäten schätze ich an meinem Sohn und seinen Altersgenossen:


●       Frühe digitale Professionalität: Während Millennials den Umgang mit der digitalen Welt Schritt für Schritt lernen mussten, bewegt sich die Gen Z darin mit einer Selbstverständlichkeit, die weit über das bloße Nutzen von Social Media hinausgeht. Sie verstehen Algorithmen, digitale Werkzeuge und neue Netzwerke intuitiv und nutzen sie extrem effizient.

●       Mut zu radikaler Ehrlichkeit: Es gibt in dieser Generation eine erfrischende Tendenz, Dinge direkt beim Namen zu nennen. Scheinheilige Fassaden, veraltete Hierarchiespiele oder ungeschriebene Gesetze im Beruf werden direkt und ohne Scheu hinterfragt.

●       Enttabuisierung der mentalen Gesundheit: Was früher stumm weggesteckt oder als Schwäche abgetan wurde, wird von den Zoomern offen thematisiert. Das Bewusstsein dafür, dass mentale Gesundheit genauso gepflegt werden muss wie die körperliche, ist ein riesiger Fortschritt, finde ich.

●       Selbstverständlicher Umgang mit Diversität: Vielfalt in Lebensentwürfen, Herkünften und Rollenbildern ist für sie keine politische Parole, sondern schlicht gelebter Alltag. Sie begegnen Unterschieden oft mit einer unaufgeregten Toleranz und setzen sich auch aktiv dafür ein.

„Verschlossene, verriegelte Sprechblase im Vergleich zu einer offenen Sprechblase mit Häkchen als Sinnbild für verkrustete Antworten versus radikale Ehrlichkeit"
Ki generiert nach meiner Skizze

Die Kehrseite: Zwischen Zukunftsängsten und Reizüberflutung

Doch wo ein starkes Bewusstsein für eigene Bedürfnisse herrscht, entstehen in einer schnellen und volatilen Welt auch neuartige Belastungen. Die Hürden der Gen Z sind selten Ausdruck von Bequemlichkeit , sondern sie sind die direkte Konsequenz einer durchdigitalisierten und krisenbehafteten Umgebung.


1. Das Gewicht der Zukunftsfähigkeit

Wo Boomer wie ich mit einem grundlegenden Vertrauen in das Wirtschaftswachstum aufwuchsen, tragen viele Zoomer eine leise, aber ständige Zukunftsangst mit sich herum. Ob globale Klimafolgen, unübersichtliche Geopolitik oder bezahlbarer Wohnraum – das Gefühl, in eine Welt hineinzuwachsen, deren Stabilität wackelt, erzeugt einen spürbaren Grunddruck.

2. Die Falle der Dauerreizung und der Algorithmen

Die Kehrseite der ständigen digitalen Vernetzung ist die permanente Reizüberflutung. Soziale Medien sind darauf programmiert, Aufmerksamkeit zu binden und ständige Vergleiche zu befeuern. (siehe mein Buch "Der gesteuerte Mensch"). Die Gefahr, sich im endlosen Stream von Nachrichten, Trends und inszenierten Scheinwelten zu verlieren, ist groß. Das erschwert es jungen Menschen manchmal, innere Ruhe zu finden und sich auf langfristige, analoge Prozesse zu fokussieren.

3. Die Sehnsucht nach absoluter Sicherheit in einer volatilen Welt

Gerade weil die Gen Z so viele Krisen miterlebt hat, entwickelt sie oft einen scheinbaren Widerspruch: Sie wünscht sich maximale Flexibilität im Alltag, sehnt sich aber gleichzeitig nach absoluter Sicherheit, klaren Leitplanken und planbaren Perspektiven. In einer dynamischen Wirtschaft lassen sich diese beiden Wünsche jedoch nicht immer nahtlos miteinander verbinden.

4. Die Herausforderung der echten Abgrenzung

Wer mit der Erwartung aufwächst, ständig erreichbar, informiert und authentisch zu sein, tut sich mitunter schwer, eine gesunde Abgrenzung zu finden. Die Sorge, etwas zu verpassen oder den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, führt nicht selten zu einer emotionalen Erschöpfung, bevor die berufliche Karriere überhaupt richtig begonnen hat.

„Anker neben Kompass als Sinnbild für den Widerspruch zwischen Sehnsucht nach Sicherheit und Wunsch nach Flexibilität"
KI generiert nach meiner Skizze

Mein väterliches Resümee: Ein pragmatischer Blick auf den Nachwuchs

Wenn ich das Verhalten meines Sohnes und seiner Generation betrachte, sehe ich keine Generation im Rückzug. Ich sehe eine Generation, die sich schlicht weigert, die Fehler früherer Jahrzehnte ungeprüft zu wiederholen. Sie wollen arbeiten und sich einbringen – aber sie wollen sich dabei nicht aufreiben für Systeme, die ihnen keine langfristige Sicherheit mehr garantieren können.


Als Boomer-Vater und Ökonom plädiere ich dafür, diese Haltung nicht als Schwäche zu missverstehen. Die Gen Z fordert uns heraus, indem sie unbequeme Fragen stellt. Und genau diese Fragen bringen mich selbst ins Grübeln: Wie viel von meiner eigenen Vorstellung von Sicherheit und Karriere würde es eigentlich auch mir guttun, noch einmal zu hinterfragen?


Im nächsten Teil dieser Serie wird es persönlich: Was kann ich als Boomer-Vater ganz konkret von meinem GenZ-Sohn lernen, wenn ich mich auf seine Sichtweise einlasse?

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