Zwischenbilanz der Trump-Zollpolitik (1/3): Gewinner, Verlierer und die Rechnung für die Verbraucher

Nach Jahren mit Sonderzöllen, Vergeltungsmaßnahmen und immer neuen rechtlichen Aufhängern wird es Zeit für eine nüchterne Bilanz. Ich stütze mich dabei auf Untersuchungen renommierter Wirtschaftsforschungsinstitute – darunter Tax Foundation, Penn Wharton Budget Model, Yale Budget Lab, Tax Policy Center und Center for American Progress – sowie auf Daten von US-Behörden. Im ersten Teil dieser dreiteiligen Serie geht es um die Branchen, die von der Zollpolitik profitiert oder gelitten haben, und um die Frage, wer die Rechnung am Ende tatsächlich bezahlt.
Ein gespaltenes Bild in der Wirtschaft
Wer erwartet hatte, dass Schutzzölle die US-Industrie insgesamt stärken würden, wird von den Daten enttäuscht. Das Bild ist stark gespalten: Einige wenige Grundstoffproduzenten profitierten punktuell, während weiterverarbeitende Industrien und die Landwirtschaft erheblich litten.
Die Profiteure
Primärmetalle (Stahl & Aluminium): Dank der Section-232-Zölle und weiterer bereichsspezifischer Abgaben verzeichneten heimische Hüttenwerke kurzfristig höhere Auslastungen und steigende Inlandspreise.
Nischenbereiche der Elektro- und Ausrüstungsproduktion: Segmente wie elektrische Geräte legten in bestimmten Phasen um 5,9 Prozent beim Ausstoß zu, auch Teile der Halbleiterfertigung profitierten von geschützten Marktanteilen.
Die Verlierer
Weiterverarbeitende Industrie (Automobil- und Maschinenbau): Höhere Rohstoffpreise für Stahl und Aluminium verteuerten die Produktion von US-Fahrzeugen und Maschinen spürbar – der Automobilsektor geriet im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen.
US-Landwirtschaft: Besonders Sojabohnen, Schweinefleisch und Nüsse wurden zum bevorzugten Ziel gezielter Vergeltungszölle von China, Mexiko und der EU.
Bau- und Holzindustrie: Teurere Import-Baustoffe setzten die Margen im Bausektor unter Druck.
Nebeneffekte in den Lieferketten
Zwei Entwicklungen finde ich besonders bemerkenswert, weil sie zeigen, wie Unternehmen auf regulatorischen Druck reagieren, ohne dass sich am eigentlichen Handelsmuster viel ändert:
"Tariff Hopping" und Re-Routing: Viele Unternehmen wichen den Zöllen aus, indem sie Lieferketten aus China in Drittstaaten wie Vietnam, Malaysia oder Mexiko verlagerten. Häufig blieb es dabei bei reiner Umverpackung oder finaler Montage – echte Wertschöpfung vor Ort entstand kaum.
Investitionsstau durch Unsicherheit: Häufige Regelungswechsel, Ausnahmeanträge und juristische Auseinandersetzungen erzeugten eine Planungsunsicherheit, die zahlreiche Investitionsentscheidungen von US-Unternehmen verzögerte.
Wer zahlt am Ende wirklich?
Die ökonomische Forschung ist sich in einem Punkt nahezu einig: Die Importzölle wurden fast vollständig von US-Importeuren und Endverbrauchern getragen – nicht von den ausländischen Exporteuren, wie es die politische Rhetorik oft nahelegte.
Yale Budget Lab und die US-Notenbank Fed registrierten einen deutlichen Preisanstieg bei importierten Gebrauchsgütern und Kern-Konsumgütern. Die sogenannte Pass-Through-Rate – also der Anteil des Zolls, der an die Verbraucherpreise weitergegeben wurde – lag im Schnitt zwischen 46 und 115 Prozent. In manchen Kategorien stiegen die Preise inklusive Handelsmarge sogar über den reinen Zollsatz hinaus.
Die Haushaltsbelastung im Detail
Je nach Berechnungsmethode kommen die Institute zu unterschiedlichen, aber durchgängig spürbaren Zahlen:
Das Tax Policy Center schätzt die durchschnittliche Verringerung des verfügbaren Haushaltseinkommens auf rund 1.800 US-Dollar pro Jahr, das entspricht etwa 1,8 Prozent des Nach-Steuer-Einkommens bei breit angelegten Zollsätzen.
Eine konservativere Einzelmetrik von Tax Foundation und Tax Policy Center beziffert die reinen direkten Mehrkosten für Einkäufe auf 700 bis 960 US-Dollar pro Haushalt und Jahr.

Besonders bemerkenswert finde ich den regressiven Charakter dieser Belastung: Da einkommensschwächere Haushalte einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für verarbeitete Konsumgüter ausgeben, wirkt die Zollpolitik faktisch wie eine Steuer, die untere Einkommensgruppen überproportional trifft.
Zwischenfazit
Schon dieser erste Blick zeigt ein Muster, das sich – so viel sei vorweggenommen – durch die gesamte Bilanz zieht: punktuelle, sichtbare Gewinne in einzelnen Branchen stehen breit gestreuten, teils schwerer messbaren Kosten gegenüber, die am Ende bei den Verbrauchern landen. Im zweiten Teil dieser Serie schaue ich mir an, was von den Zolleinnahmen tatsächlich in der Staatskasse ankommt – und warum die Netto-Bilanz deutlich nüchterner ausfällt, als es die Bruttosummen vermuten lassen.


