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Zwischenbilanz der Trump-Zollpolitik (3/3): Geopolitik, Systemwandel und das Gesamtfazit

Autorenbild: Franz Wegener
Franz Wegener
7. Aug.
2 Min. Lesezeit

Im ersten Teil ging es um Branchen und Verbraucher, im zweiten um Staatskasse und Makroökonomie. Im letzten Teil dieser Serie schaue ich mir an, wie die wichtigsten Handelspartner auf die US-Zollpolitik reagiert haben, welchen strukturellen Wandel sie im Welthandel ausgelöst hat – und ziehe meine Gesamtbilanz.


Wie die Schlüsselpartner reagierten

Die US-Zollpolitik hat zu einer beispiellosen Neuordnung der globalen Handelsarchitektur geführt und multilaterale Abkommen spürbar geschwächt. Vier Reaktionsmuster stechen dabei besonders hervor:


China antwortete mit spiegelbildlichen Vergeltungszöllen, vor allem auf US-Agrarprodukte, und leitete parallel eine strategische Entkopplung ein – bekannt als De-Risking beziehungsweise Decoupling –, unter anderem durch den verstärkten Aufbau eigener Technologielieferketten.


Die Europäische Union setzte gezielte Gegenzölle auf symbolträchtige US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder und Agrargüter ein. Später schloss sie bilaterale Übergangsvereinbarungen – darunter den mittlerweile bekannten "Turnberry-Deal" –, um einen offenen Handelskrieg abzuwenden.


Kanada und Mexiko handelten mit dem USMCA einen Nachfolgevertrag zu NAFTA aus, wichen aber bei weiteren Zollerweiterungen mit eigenen Gegenmaßnahmen oder Beschwerden aus.


Schwellen- und Partnerländer wie Brasilien, Australien und Japan kritisierten US-Sonderzölle wiederholt scharf als "willkürlich und ungerechtfertigt" und drohten mit Verfahren vor der Welthandelsorganisation oder eigenen Gegenmaßnahmen.


Ein systemischer Wandel im Welthandel

Was mich an dieser Bilanz am meisten beschäftigt, ist weniger der einzelne Zollsatz als die strukturelle Verschiebung, die dahintersteckt. Ich sehe drei zusammenhängende Entwicklungen:


  1. Erosion des WTO-Systems: Die Umgehung meistbegünstigter Handelsregeln und die faktische Blockade des WTO-Berufungsgremiums haben den Multilateralismus nachhaltig geschwächt.


  2. Rechtliche Zweckentfremdung: Die US-Regierung stützte ihre Zölle zunehmend auf nationale Sicherheits- und Notstandsgesetze (Section 232, IEEPA) oder Sonderparagrafen (Section 301, Section 122). Wechselnde Begründungen – von Handelsbilanzdefiziten über Zwangsarbeit bis hin zu Umwelt- oder Gesundheitsfaktoren – dienten dabei immer wieder als neue rechtliche Aufhänger für im Kern protektionistische Maßnahmen.


  3. Trend zum bilateralen Transaktionalismus: An die Stelle weltweiter Freihandelsabkommen traten zunehmend bilaterale Deals und Zwangszugeständnisse einzelner Staaten – mit der Folge einer fortschreitenden Fragmentierung der Weltwirtschaft.

Trump: Der systematische Wandel im Welthandel

Gesamtbilanz und Fazit

Wenn ich alle drei Teile dieser Serie zusammenführe, komme ich zu einer klaren Synthese: Die US-Zollpolitik hat ihre primären makroökonomischen Ziele – die nachhaltige Reduzierung des Handelsdefizits und ein breites Wiedererstarken der heimischen Fertigungsindustrie – weitgehend verfehlt.


Zwar verzeichneten punktuelle Profiteure in den Primärsektoren, allen voran Stahl und Aluminium, reale Zuwächse. Diese wurden jedoch durch Kostensteigerungen in der weiterverarbeitenden Industrie, Exportausfälle in der Landwirtschaft und spürbare Mehrbelastungen für US-Haushalte überkompensiert. In der Praxis haben sich Zölle vor allem als das erwiesen, was sie ökonomisch immer schon waren, auch wenn die politische Rhetorik das gerne anders darstellt: eine Konsum- und Vorproduktsteuer.


Gleichzeitig hat diese Politik die globalen Lieferketten dauerhaft neu geordnet und Zölle als geopolitisches Druckmittel fest etabliert – über den engeren Rahmen der klassischen Handelspolitik hinaus. Genau dieser Übergang vom wirtschaftspolitischen Werkzeug zum politischen Machthebel ist es, der mich an diesem Thema seit Jahren beschäftigt, und der auch nach dieser Zwischenbilanz nichts an Aktualität verloren hat.

 

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