Kann Europa die Zoll-Drohungen von Donald Trump erfolgreich abwehren?
- Franz Wegener

- 6. Juli
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Juli
Viele sind skeptisch gegenüber der EU, manche lehnen diese sogar ab. Aber: Wenn US-Präsident Donald Trump mit drastischen Strafzöllen, einem allgemeinen Basistarif von 10 bis 20 Prozent oder gar 60 Prozent auf China-Importe droht, ist das keine leere Rhetorik, sondern knallharte Machtpolitik. Einzelne Nationalstaaten wie Deutschland oder Frankreich wären einem solchen geoökonomischen Druck schutzlos ausgeliefert, da sie allein niemals die nötige Verhandlungsmacht aufbringen könnten.

Doch genau hier liegt die fundamentale Stärke der europäischen Zollunion: Seit 1968 treten die Mitgliedstaaten im Außenhandel geschlossen auf und wenden einen einheitlichen Außenzolltarif an. Mit einem riesigen Binnenmarkt von rund 450 Millionen Konsumenten besitzt die EU eine gewaltige strukturelle Machtressource – die sogenannte „Market Power Europe“. Diese Größe zwingt Handelspartner dazu, sich an europäische Standards anzupassen, wenn sie Zugang zu unserem Markt wollen.

Die EU ist längst nicht mehr nur eine Hüterin des Freihandels, sondern hat eine echte „geoökonomische Kapazität“ entwickelt, um sich aktiv zu verteidigen. Ein Meilenstein ist das „Anti-Coercion Instrument“ (2023), mit dem die EU geschlossen auf wirtschaftliche Erpressung oder Zwang von außen reagieren kann. Dass das funktioniert, zeigte sich bereits 2018: Als Trump Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängte, schlug die EU prompt mit koordinierten Gegenzöllen auf ikonische US-Produkte zurück.

In einer Welt der globalen Systemrivalität sind Zölle längst kein trockenes Steuerthema mehr, sondern die schärfsten geopolitischen Hebel. Nur vereint kann Europa verhindern, dass wirtschaftliche Abhängigkeiten als Waffe gegen uns eingesetzt werden.
Mehr über dieses faszinierende Kräftemessen und die Geschichte der Zollpolitik erfahrt ihr in meinem Buch „Machtinstrument Zoll“.



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