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Warum der Ordoliberalismus Umverteilung nicht ablehnt

Autorenbild: Franz Wegener
Franz Wegener
24. Aug.
1 Min. Lesezeit

Über primäre und sekundäre Einkommensverteilung nach Alfred Müller-Armack


Aus Sicht vieler Linker ist ein so genannter „neo-liberaler“ oder rein wirtschaftlich geprägter Liberalismus eine Politik, die die Reichen reicher macht, den Sozialstaat schwächt und die Macht des Marktes über die Menschen stellt. Gemeint ist damit oft der Glaube, dass der freie Markt alle Probleme allein lösen will, während er soziale Ungleichheit ignoriert. Das Klischee hält sich hartnäckig – und trifft daneben. Für eine dauerhafte Markt- und Wettbewerbsordnung ist eine aktive Sozialpolitik geradezu Voraussetzung.


Zwei Phasen der Verteilung

Alfred Müller-Armack, einer der Väter der Sozialen Marktwirtschaft, unterscheidet zwei Phasen. Die primäre Einkommensverteilung ist das Ergebnis des freien Leistungsprozesses: Wer mehr leistet oder gefragtere Güter anbietet, verdient mehr. Die sekundäre Einkommensverteilung korrigiert dieses Marktergebnis nachträglich – zugunsten derer, die aus objektiven Gründen nicht teilnehmen oder ihren Lebensunterhalt nicht eigenständig bestreiten können.

Diagramm der primären und sekundären Einkommensverteilung nach Alfred Müller-Armack – links die primäre Verteilung als Ergebnis des Marktes, rechts die staatliche Korrektur, darunter die drei Korrekturbedarfe: Lebensrisiken, Bildung und Existenzsicherung.

Drei Gründe für Korrektur

Der Markt kennt keine unverschuldeten Schicksalsschläge wie Krankheit, Invalidität oder Alter – dafür braucht es die Pflichtversicherungen der Sozialversicherung. Er stellt Bildung nicht chancengleich bereit, obwohl sie nicht vom Vermögen der Eltern abhängen darf – dafür braucht es staatliche Investition. Und er kann den Marktpreis für Arbeit unter das Existenzminimum drücken – dafür braucht es Grundsicherung.


Marktkonforme Instrumente

Progressive Einkommensteuer, moderate Erbschaftssteuer als Korrektur ungleicher Startchancen, zweckgebundene Sozialversicherungen, Kartellrecht gegen Monopolmacht: Für Eucken zählt dabei ein Prinzip über allem – die Marktkonformität. Mindest- oder Höchstpreise werden abgelehnt, weil sie Mangel oder Überschuss erzeugen. Besser sind direkte Transfers wie Wohngeld, die den Preismechanismus intakt lassen.

Gegenüberstellung marktkonformer und marktwidriger Eingriffe nach Eucken – links direkte Transfers wie Wohngeld, rechts Preisdeckel wie ein Mietpreisdeckel, mit dem Hinweis: Für Eucken zählt nicht das Ob der Korrektur, sondern das Wie.

Ohne sozialen Ausgleich verliert die Freiheit im Markt ihre gesellschaftliche Legitimation – und ihre ökonomische Stabilität.

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