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Warum reden eigentlich alle vom Loslassen?

Autorenbild: Franz Wegener
Franz Wegener
5. Sept.
8 Min. Lesezeit

Vom unterschätzten Wert des Festhaltens


Beziehung schwierig? Loslassen. Die Arbeit geht dir auf die Nerven? Jobwechsel. Wird eine Ehe anstrengend? Ehescheidung. Geht das Projekt nicht voran? Abbrechen.

Ab und zu ist das richtig, ganz klar. Man muss Beziehungen, wie meine zu einer Narzisstin, beenden, Berufe, die einem schaden, aufgeben oder auch Projekte ohne Perspektive und Lebenspläne, deren Basis nicht mehr existiert, hinter sich lassen.


Dennoch bemerke ich, dass wir mittlerweile so tun, als wäre das Loslassen etwas ganz Alltägliches.  Es hat den Klang von Freiheit, Mut und Wachstum der Persönlichkeit. Im Gegensatz dazu hat das Festhalten ein großes Imageproblem. Wer bleibt, wird schnell als ängstlich, unbeweglich oder als jemand, der keinen Schlussstrich ziehen kann, wahrgenommen. Vielleicht ist aus einer sinnvollen Lebensweisheit inzwischen ein Dogma geworden.


Vieles im Leben, so habe ich es oft genug selbst erfahren, wird aber gerade durch die Tatsache, dass wir nicht aufgeben, wenn wir den ersten Gegenwind spüren, wertvoll.


Deshalb interessiert mich eine andere Frage viel mehr: Haben wir, trotz all unserer Freude über Wandel, vielleicht die Bedeutung von Treue, Beständigkeit und Durchhaltevermögen aus den Augen verloren?  Ich schließe damit ausdrücklich das blinde Festhalten aus. Nicht „Durch die Wand, ohne hinzusehen“. Ich meine also nicht das Ausharren in einer schädlichen Beziehung oder das endlose Weiterfinanzieren eines gescheiterten Projekts.



Ich finde das reflektierte Festhalten viel spannender: Es bedeutet, bewusst zu entscheiden, etwas Wertvollem Zeit zu schenken, Schwierigkeiten auszuhalten und eine einmal getroffene Entscheidung nicht bei jeder neuen Versuchung grundlegend zu hinterfragen.

Vielleicht braucht ein gutes Leben deshalb beides: die Freiheit zu gehen – und die Fähigkeit zu bleiben.


Die Kultur der permanenten Verbesserung

Wir leben in einer Ära, in der die Auswahlmöglichkeiten riesig sind. Das ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu meiner Kindheit und Jugend in den 60er und 70er Jahren. Denn heute können wir alles Mögliche tun: Berufe wechseln, Beziehungen beenden, umziehen, neu studieren, reisen, Unternehmen gründen, Lebensentwürfe verwerfen und neu anfangen.  Keiner möchte ernsthaft in eine Gesellschaft zurückkehren, in der Herkunft, Familie oder soziale Erwartungen fast jede wichtige Lebensentscheidung vorgaben.


Doch Freiheit hat eine merkwürdige Kehrseite. Aus der Möglichkeit, wählen zu können, kann der Zwang entstehen, ständig weiterwählen zu wollen bzw. zu müssen.

Ist dies tatsächlich der passende Beruf? Handelt es sich bei dieser Beziehung tatsächlich um die optimale, die mir zur Verfügung steht? Wäre eine alternative Stadt nicht ansprechender? Ein anderes, größeres Haus? Ein alternatives Leben spannender?

In der Vergangenheit war man gezwungen, mit einer Entscheidung zu leben. Heutzutage ist es möglich, sie kontinuierlich mit einer Vielzahl von Alternativen zu vergleichen. Das Smartphone liefert alles direkt nach Hause. LinkedIn präsentiert die vermeintlich erfolgreicheren Kollegen, Instagram das ansprechendere Zuhause. Dating-Apps bieten möglicherweise die Chance, einen noch ansprechenderen Partner zu finden. Reiseportale bieten eine bessere Auswahl an Hotels. Vergleichsportale ermitteln den preiswerteren Tarif. Ich könnte noch viel mehr Beispiele nennen.

Erstaunlich: Das Bessere muss dabei noch nicht einmal real sein. Es genügt, dass es nur als Möglichkeit erscheint. Und genau hier entsteht bei vielen eine eigentümliche Unruhe: Vielleicht verpasse ich etwas.


FOMO – oder die Taube auf dem Dach

Ein Aspekt dieses Phänomens wird in der Psychologie als FOMO (Fear of Missing Out) bezeichnet, was die Besorgnis beschreibt, dass an anderen Orten etwas Spannenderes oder Besseres geschieht, während man selbst nicht daran teilnimmt. Es überrascht nicht, dass Studien eine ausgeprägte FOMO stets mit einer geringeren Lebenszufriedenheit sowie einer intensiveren Nutzung sozialer Medien in Verbindung bringen.


Für mich ist weniger der Begriff selbst von Interesse, sondern vielmehr die zugrunde liegende Einstellung: Eine Entscheidung wird getroffen – und dennoch wird innerlich weiterhin nach Alternativen gesucht.

Der Psychologe Barry Schwartz hat in diesem Kontext eine Unterscheidung zwischen Personen getroffen, die kontinuierlich nach der bestmöglichen Lösung streben, und solchen, die mit einer zufriedenstellenden Lösung, die ihren Anforderungen entspricht, zufrieden sind.

Das hört sich zunächst ähnlich an. Psychologisch betrachtet besteht jedoch ein erheblicher Unterschied. Denn wer ständig nach Maximierung strebt, kann selbst eine positive Entscheidung nur temporär wertschätzen. Jede Option kann als potenzieller Nachweis dienen, dass eine fehlerhafte Entscheidung getroffen wurde. Ein sehr altes deutsches Sprichwort erhält dadurch unerwartet eine bemerkenswert zeitgemäße Bedeutung: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.


Ich will es neu interpretieren:

Anfänglich sieht das nach Bescheidenheit aus. Vielleicht sogarnach fehlendem Ehrgeiz. Allerdings treten Spatz und Taube für mich psychologisch unter unfairen Bedingungen gegeneinander an. Den Spatz kennen wir bereits. Sein Aussehen ist uns bekannt. Seine Eigenheiten sind uns bekannt. Sein Preis ist uns bekannt. Im Gegensatz dazu ist die Taube auf dem Dach überwiegend nur eine Projektion. Am neuen Arbeitsplatz gab es noch keinen schlechten Montag. Bis jetzt hat der mögliche neue Partner uns noch nicht enttäuscht. In der neuen Wohnung gab es noch keinen defekten Heizkessel. Das neue Projekt ist bisher noch nicht mit Bürokratie, Müdigkeit und der Realität konfrontiert worden. Deshalb ziehen wir oft einen Vergleich zwischen der Realität des Bestehenden und der Vorstellung vom Neuen. Der Vergleich wird deshalb fast automatisch zugunsten des unbefleckten Neuen entschieden.


Vielleicht ist die tiefere Botschaft des Sprichworts deshalb nicht: „Sei genügsam“, sondern vielmehr: Verwechsle eine reale, gewachsene Qualität nicht mit einer idealisierten Möglichkeit.  Das „Spatz in der Hand“-Problem illustriert genau dieses Dilemma: Die Realität des Bestehenden zeigt sich in seinen bereits vorhandenen Spuren; die Alternative hingegen ist uns zunächst vor allem durch ihre Versprechungen bekannt.

Vergleichsgrafik in Cremeton mit zwei Spalten, getrennt durch eine gestrichelte goldene Linie. Links die Überschrift „Der Spatz: das Bekannte" mit drei Punkten: Aussehen, Eigenheiten und Preis sind bekannt; trägt bereits reale Spuren und eine gemeinsame Geschichte; kein Risiko mehr, das noch überraschen könnte. Rechts die Überschrift „Die Taube: die Projektion" mit drei Punkten: bislang nur Versprechen, noch keine Erfahrung; noch kein schlechter Montag, keine Enttäuschung; wirkt ideal, gerade weil sie ungetestet bleibt. Darunter der kursive Abschlusssatz: „Der Vergleich fällt fast automatisch zugunsten des unbefleckten Neuen aus."
KI gestaltet nach meiner Vorlage

Tiefe braucht Dauer

Hier liegt für mich der wichtigste Gedanke. Festhalten bewahrt Werte nicht nur, sondern Festhalten kann Werte erzeugen!


Eine Freundschaft oder Ehe, die dreißig Jahre dauert, hatte am ersten Abend noch keinen Wert von dreißig Jahren. Sie schuf ihn. Durch Gespräche. Durch Streit. Durch gemeinsames Lachen. Durch Krisen. Durch Vergebung. Durch Erinnerungen, die niemand sonst teilt. Dasselbe gilt für jede langjährige Partnerschaft oder Freundschaft. Für Vertrauen. Für berufliche Erfahrung. Für Ansehen. Für Heimat. Für Können. Manche Dinge kann man kaufen, aber andere kann man nur wachsen lassen. Vertrauen gehört dazu. Es ist unklar, ob jemand verlässlich ist, nur weil er sagt: „Auf mich kannst du dich verlassen.“ Ich werde mir dessen erst bewusst, wenn er zwanzigmal tatsächlich erschienen ist, nachdem er jdesmal angekündigt hatte, dass er kommen würde. Zeit transformiert nach meiner Erkenntnis also Behauptungen in Erlebnisse. Und schließlich entwickelt sich daraus etwas, das nicht kurzfristig ersetzt werden kann.


Dies trifft ebenfalls auf den beruflichen Bereich zu. Wer einige Monate in einem Fach arbeitet, kennt die Grundlagen. Nach einigen Jahren erkennt er Zusammenhänge, später kommen Erfahrungswissen, Kontakte, Urteilskraft und Ansehen hinzu. Nicht jeder, der lange genug irgendwo sitzt, wird dadurch zwar zum Experten. Aber manches Expertenwissen entsteht überhaupt erst dadurch, dass jemand lange genug bei einer Sache bleibt.


Ich nenne das gern den „Zinseszins der Biografie“.

Denn: Erfahrung erzeugt Wissen. Wissen verbessert Entscheidungen. Bessere Entscheidungen schaffen Vertrauen. Vertrauen eröffnet neue Möglichkeiten. Und diese ermöglichen wiederum neue Erfahrungen.

Der Ertrag eines langen Weges besteht deshalb nicht bloß aus der Summe seiner Jahre. Die einzelnen Jahre bauen aufeinander auf. Genau diesen kumulativen Charakter gibt es auch für Können, Reputation und berufliche Verlässlichkeit. Wir unterschätzen das oft, weil das Neue sofort sichtbar ist, Tiefe dagegen nur langsam wächst.

Kreislaufdiagramm in Cremeton mit vier weißen Kästen in einer Reihe, verbunden durch goldene Pfeile: Erfahrung, Wissen, Bessere Entscheidungen, Vertrauen. Ein navyfarbener Bogen führt vom letzten Kasten zurück zum ersten. Darunter der kursive Text: „eröffnet neue Möglichkeiten – und neue Erfahrungen".
KI generiert nach meiner Vorlage

Nicht jede Krise ist ein Ausgangsschild

Das gilt auch für Beziehungen und Lebensentscheidungen. Nicht jede schlechte Woche bedeutet einen schlechten Beruf, ebenso bedeutet nicht jeder Streit eine schlechte Beziehung. Und nicht jedes stagnierende Jahr bedeutet ein gescheitertes Projekt.

Nicht jeder Zweifel widerlegt eine Überzeugung. Das klingt irgendwie banal. Aber in der konkreten Situation ist es das ganz und gar nicht. Denn die gegenwärtige Enttäuschung ist real, die mögliche spätere Entwicklung aber nur eine Hoffnung. Durchhaltevermögen bedeutet deshalb für mich nicht, Schwierigkeiten kleinzureden. Es bedeutet, den augenblicklichen Zustand nicht automatisch mit dem endgültigen Urteil zu verwechseln.


Eine Krise kann zwar zerstören, gewiss. Aber eine Krise kann auch etwas sichtbar machen. Man muss plötzlich miteinander reden. Erwartungen werden ausgesprochen, Grenzen werden deutlich. Illusionen verschwinden. Manchmal wird eine Beziehung danach schwächer. Manchmal aber auch stärker. Die Krise selbst ist also so gesehen weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, was daraus entsteht, oder besser: was wir daraus entstehen lassen.

Vielleicht liegt hierin auch ein Problem unserer modernen „Exit-Kultur“. Der Ökonom Albert O. Hirschman unterschied zwischen Exit und Voice. Exit beendet die Reibung. Voice nutzt sie. Exit bedeutet: Ich gehe. Voice bedeutet: Ich bleibe und versuche, etwas zu verändern. Voice ist aber sehr viel mühsamer. Man muss reden, widersprechen, zuhören, sich korrigieren, Kompromisse suchen.

Das bedeutet keineswegs, dass man immer bleiben sollte. Aber es erinnert daran, dass zwischen schweigendem Erdulden und Weggehen noch eine dritte Möglichkeit liegt:


Bleiben und verändern.

Aber kann das nicht in eine Sunk-Cost-Falle führen? Hier wird es heikel, ich weiß es sehr wohl. Denn jedes Plädoyer fürs Festhalten kann sehr schnell zur Rechtfertigung schlechten Festhaltens werden. „Wir sind doch schon zwanzig Jahre zusammen.“ „Ich arbeite seit fünfzehn Jahren hier.“ „Ich habe schon hunderttausend Euro investiert.“ „Jetzt habe ich drei Jahre an diesem Projekt gearbeitet.“ Also müsse man weitermachen.

Nein.

Genau hier greift der sogenannte Sunk Cost Effect – die Fehlinvestitionsfalle. Menschen neigen dazu, an einer Sache festzuhalten, weil sie bereits Zeit, Geld oder Mühe investiert haben, obwohl diese Investitionen nicht mehr zurückzuholen sind.


Für mich als Ökonom ist die Sache klar: Vergangene Kosten dürfen nicht darüber entscheiden, ob sich zukünftige Kosten lohnen. Eine verlorene Million wird nicht dadurch weniger verloren, dass man eine zweite hinterherwirft. Aber hier müssen wir sehr genau unterscheiden, denn nicht jede vergangene Investition ist bloß verloren.

Denn manche Investitionen haben inzwischen einen Wert geschaffen. Wer zehn Jahre eine Sprache gelernt hat, besitzt diese Fähigkeit. Wer zwanzig Jahre eine Freundschaft gepflegt hat, besitzt gemeinsame Geschichte. Wer lange in einem Beruf gearbeitet hat, besitzt Erfahrung. Wer Vertrauen aufgebaut hat, besitzt Ansehen.


Der entscheidende Unterschied lautet deshalb für mich:

Vergangenheit ist nicht deshalb wertvoll, weil sie Vergangenheit ist. Sie ist dann relevant, wenn sie die Zukunft verändert hat.

Die falsche Frage lautet also: Ich habe schon so viel investiert – wie könnte ich jetzt aufhören? Die richtige lautet dagegen: Was habe ich durch meine bisherigen Investitionen aufgebaut – und ist dieser Bestand auch für meine Zukunft noch wertvoll?

Das ist für mich die entscheidende Grenze zwischen klugem Festhalten und Sunk Costs.


Wann bleiben – und wann gehen?

Damit bleibt immer noch die schwierigste Frage. Denn natürlich gibt es keine einfache Regel. Manchmal ist Festhalten Mut, manchmal Feigheit. Manchmal ist Loslassen Mut, manchmal Flucht. Beispiel: Zwei Menschen können denselben Arbeitsplatz behalten. Der eine bleibt, weil er Angst vor Veränderung hat. Der andere, weil er dort noch eine Aufgabe sieht. Zwei Menschen können eine Beziehung verlassen. Der eine befreit sich aus einer zerstörerischen Situation. Der andere geht, weil nach der ersten Verliebtheit die Mühe wirklicher Beziehung beginnt.


Von außen sieht die Entscheidung möglicherweise gleich aus. Innerlich ist sie vollkommen verschieden. Deshalb würde ich mir einige einfache Fragen stellen:

Halte ich fest, weil ich Angst vor Veränderung habe, oder weil ich im Bestehenden weiterhin einen Wert erkenne?

Will ich gehen, weil wirklich etwas zerbrochen ist, oder weil das Neue gerade aufregender wirkt?

Bleibe ich nur wegen meiner vergangenen Investitionen, oder haben diese Investitionen etwas geschaffen, das auch morgen wertvoll sein wird?

Ist die Krise vorübergehend, oder ist sie zum dauerhaften Zustand geworden?

Sehe ich noch Entwicklung, oder verwalte ich nur noch Verlust?

Kluges Festhalten bleibt deshalb immer überprüfbar. Ich verwende gerne eine Formulierung, die mir zunehmend gefällt: Treue unter Revisionsvorbehalt.

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist es aber nicht. Ich kann einer Person, einem Projekt, einem Beruf oder einer Überzeugung sehr wohl einen Vertrauensvorschuss über die Zeit geben. Aber eben keinen Blankoscheck.

Genau diese Unterscheidung bildet die „Dialektik des Festhaltens“: Nicht jede neue Möglichkeit ist besser, nur weil sie neu ist; zugleich muss Festhalten korrigierbar bleiben.


Vielleicht müssen wir wieder lernen, zu bleiben

Unsere Gesellschaft hat uns beigebracht, Möglichkeiten zu schaffen. Ich finde, das war ein sehr großer zivilisatorischer Fortschritt. Es könnte aber nun wieder erforderlich sein erneut zu lernen, dass ein erfülltes Leben nicht darin besteht, sämtliche Optionen so lange wie möglich offen zu halten.

Irgendwann muss auch mal aus der großen Auswahl eine Entscheidung werden. Aus einer Begegnung eine Beziehung. Aus Tätigkeit Können. Aus Wiederholungen Erfahrungen. Aus gemeinsam verbrachter Zeit Erinnerungen. Aus Verlässlichkeit Vertrauen. Aus einem Ort Heimat. Letztendlich aus einem Entschluss ein Lebensweg.


All das braucht aber Zeit. Und deshalb braucht es Menschen, die bereit sind, lange genug bleiben zu wollen. Vielleicht ist der Spatz in der Hand am Ende also gar nicht nur die kleinere, sichere Alternative zur großen Taube auf dem Dach. Vielleicht besitzt er eine Eigenschaft, die das alte Sprichwort unterschätzt: Er kann wachsen: Eine Freundschaft kann auch tiefer werden, eine Beziehung vertrauter, ein Beruf sinnvoller, ein Können größer. Ein Projekt besser und ein Mensch reifer.

Darum glaube ich nicht, dass wir weniger Freiheit brauchen. Wir brauchen vielmehr einen anspruchsvolleren Begriff davon. Freiheit ist nicht nur das Recht, jederzeit gehen zu können. Freiheit kann auch bedeuten, sich bewusst zu entscheiden: Hier bleibe ich nun. Ein gutes Leben braucht die Freiheit zu gehen. Aber auch den Mut, nicht jedes Mal von ihr Gebrauch zu machen.

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